RDB e.V.
Ring Deutscher Bergingenieure
Der Verband von Ingenieuren, Technikern und Führungskräften.
Bezirksverein: RDB e.V. BV - Dortmund Nord

Heute ist Dienstag , der 23.07.2019

Juli2019
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Schildausbau

Bericht über:

  Exkursion 2004 nach Polen  
   
  am 27. Juni 2004 nach Polen  
   
  Unser BV hat in diesem Jahr zu einer 6-tägigen Exkursion nach Schlesien eingeladen. Die Reise führte 44 Teilnehmer nach Wroclaw (Breslau), Krakow (Krakau), Wieliczka (Groß Salze), Annaberg und Hirschberg. Die Planung und Organisation wurde, wie in den Vorjahren, von unseren Kameraden Droste und Tille durchgeführt. Ihr habt Eure Arbeit vorzüglich gemacht und dafür danken wir Euch.  
   
  Marktplatz in Krakau
 
  Marktplatz mit den Tuchhallen in Krakau.
  Foto 1: Karlheinz Droste
   
  Polens Geschichte mit wichtigen Daten im Überblick:  
   
  1320 Wladyslaw Lokietek, Fürst von Sierads, gelingt die Wiedervereinigung des polnischen Gebietes und lässt sich zum König krönen.
 
  1322 Kasimir III übernimmt von seinem Vater die Krone. Er erhält den Beinamen der Große.
 
  1573-1791 Dies ist die Zeit der Wahlkönige. Die Wahl durch den Adel, nicht die Erbfolge bestimmt wer die polnische Krone trägt. Es ist keine gute Zeit für Polen.
 
  1772 Erste Teilung, beteiligt sind Preußen, Russland und Österreich. Politische Unruhen hatten das Land vorher handlungsunfähig gemacht.
 
  1793 Zweite Teilung durch Preußen und Russland.
 
  1795 Dritte Teilung, Preußen, Russland und Österreich waren daran wieder beteiligt.
 
  1918 Nach dem ersten Weltkrieg erstand durch den Versailler-Vertrag wieder ein unabhängiges Polen als Republik. Autoritäre Staatsführung durch Marschall Pilsudski.
 
  1939 Überfall Hitlers auf Polen.
 
  1945 Ende der Besatzungszeit durch die Siegermächte. Neue Festlegung der Grenzen auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam. Stalins Wunsch, das polnische Staatsgebiet von Ost nach West bis zur Oder und Neiße zu verschieben, wird entsprochen. Gründung einer neuen polnischen Republik.
 
  1989 Nach dem Sturz der Sowjetunion begann ein mühsamer Aufbau einer parlamentarischen Demokratie.
 
  Polen hat heute eine Fläche von 312.683 km2 (Deutschland 357.000 km2) und 38,5 Mio. Einwohner (Deutschland 82 Mio. Einwohner) Die Arbeitslosigkeit beträgt in Polen 17,6%.  
   
  Der erste Tag (Sonntag, 27. Juni 2004) war unser Anreisetag. Mit dem Bus erreichten wir nach rund 780 km unser erstes Ziel, die Stadt Wroclaw (Breslau).

 
  Breslau war schon im Mittelalter das Zentrum der Region, bedingt durch die günstige Lage an der Oder. 1526 wurde Breslau von den Habsburgern erobert und ab 1741 gehörte es zu Preußen. Heute ist Breslau mit 640.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Polens. Auf einem Quadratkilometer wohnen 1.800 Menschen. In der Stadt leben 50.000 Studenten. Im Schnitt versorgt ein Arzt 249 Bewohner. Es gibt in der Stadt 3.500 Hotelbetten. In Breslau verkehren 30 Straßenbahn- und 50 Buslinien. Eine Fahrkarte kostet 2 zl. Weiterhin gibt es in Breslau 80 Kirchen.  
   
  Am nächsten Morgen wurden wir am Hotel von der Stadtführerin zur Stadtrundfahrt mit Stadtrundgang abgeholt.  
   
  Unsere Gruppe
 
  Bereit zur Stadtbesichtigung in Wroclaw (ehemals Breslau).
  Foto 2: Karlheinz Droste
   
  Unsere Fahrt führte uns an dem im 19. Jahrhundert im Tudorstil erbauten Bahnhof vorbei. Die Haupthalle des Bahnhofes ist 200 m lang und 25 m breit. Zur Jahrhunderthalle ging es über die von 1908 bis 1910 als Hängebrücke gebaute Grunwaldski-Brücke, die früher Kaiserbrücke genannt wurde.  
   
  Die Jahrhunderthalle wurde von Max Berg gebaut und 1913 eingeweiht. Die aus Beton gebaute Halle hat einen Durchmesser von 130 m, die Kuppelspannweite beträgt 65 m und ist 42 m hoch. Die Halle fasst 5.000 Zuschauer. Es war die erste aus Beton gebaute freitragende Halle der Welt.  
   
  Die Fahrt ging weiter durch das um 1920 erbaute Villenviertel, vorbei am Botanischen Garten und zur Dominsel. Hier stehen die Kathedrale Maria auf dem Sande und die Heiligkreuzkirche. Unser Weg führte uns vorbei an der Erzbischhöflichen Residenz zum Dom. Ein imposantes Bauwerk, das bereits im 13. Jahrhundert begonnen wurde. Wir begaben uns dann zum Marktplatz mit dem wieder im neuen Glanz erstrahltem spätgotischen Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Am Rathaus sahen wir Steinfiguren, die ehemalige Bewohner der Stadt darstellen.  
   
  Rathaus
 
  Marktplatz mit dem wieder im neuen Glanz erstrahltem spätgotischen Rathaus
aus dem 15. Jahrhundert.
  Foto 3: Karlheinz Droste
   
  Am Nachmittag ging unsere Reise weiter über Oppeln und Kattowitz nach Krakau.  
   
  Dienstag, 29.06.2004: Krakau ist mit 745.800 Einwohnern die drittgrößte Stadt Polens. Die Stadt war ein wichtiger Kreuzungspunkt von Handelsstrassen die von Nürnberg, Kiew und Breslau kamen. Auch hier begann der Tag wieder mit einer Stadtrundfahrt. Im Jahr 1000 wurde mit der Gründung des Bistums Krakau das Fundament für die Blüte der Stadt gelegt. Von 1320 bis 1609 war Krakau Residenz- und Krönungsstadt der polnischen Könige. Wir fuhren zuerst nach Nowa Huta (Neue Hütte). An der Stadtgrenze von Krakau wurde in den 50er Jahren ein Stahlwerk errichtet und eine Stadt für die 30.000 Beschäftigten dieser Hütte. Diese Stadt sollte einen proletarischen Gegenpol zur alten Krakauer Intelligenz bilden.  
   
  Wawel-Residenz in Krakau
 
  Die Wawel-Residenz in Krakau, dem ehemaligen Sitz der polnischen Könige. Hier befinden sich auch ihre Gräber.
  Foto 4: Karlheinz Droste
   
  Weiter ging es zum jüdischen Viertel Kasimir. Hier hat Oskar Schindler viele Juden vor den Vernichtungslagern bewahrt. Auch der bekannte Film von Steven Spielberg wurde hier gedreht. Die jüdischen Gebäude überlebten den Terror der Nazis, da die Nazis in diesem Viertel ein Museum für das untergegangene jüdische Volk gründen wollten. Von den ehemals 68.000 in diesem Viertel lebenden Juden haben nur wenige Juden die Vernichtungslager überlebt. Der nahegelegene Jüdische Friedhof wurde 1533 angelegt.  
   
  Der Weg zum Wawelhügel, ein Kreidefelsen, auf dem Schloss und Dom stehen, ist nicht weit. Vom Hügel aus hat man einen herrlichen Blick auf die Weichsel. Dieser Ort hat für die Polen eine wichtige patriotische Bedeutung. Im Dom wurden viele polnische Könige gekrönt; in den Krypten ruhen Könige und Nationalhelden. Das Königsschloss war über Generationen der Sitz polnischer Herrscher. Das heutige äußere Aussehen des Schlosses geht auf einen Umbau im 16. Jahrh. zurück. Im Schloss ist heute die Staatliche Kunstsammlung zu besichtigen. Die Sammlung umfasst Schwerter, Schmuck, Möbel, Uhren und Keramik. Die wertvollsten Teile sind 136 Gobelins, die der letzte Jagiellonen-König Sigismund II in Flandern anfertigen ließ. Leider fehlte uns für eine Besichtigung die Zeit.  
   
  Der Besuch der Marienkirche ist Pflicht eines jeden Touristen. Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika aus dem 14. Jh. Der Hauptaltar ist ein Meisterwerk spätgotischer Schnitzkunst. Den Schnitzer Veith Stoß hat man für diesen Auftrag eigens aus Nürnberg geholt. Er hat von 1477 an 12 Jahre an dem 13 m hohen Flügelaltar gearbeitet. Jede Stunde ertönt auch heute noch vom linken Turm die Trompetenfanfare, die im 13. Jh. die schlafende Stadt vor dem Mongoleneinfall warnen sollte. Der Türmer soll während des Blasens von einem Pfeil getroffen worden sein und die Melodie verstummte jählings.  
   
  Der Krakauer Marktplatz gehört zu den größten Marktplätzen in Europa. Mitten auf dem Platz stehen die berühmten Tuchhallen, die auch heute noch ihre ursprünglichen Funktionen erfüllen. Der Platz wird von Häusern, die im Renaissancestil erbaut sind, gesäumt. Wir gingen weiter auf dem Königsweg zum Florianstor, dem einzig erhaltenem Stadttor Krakaus aus dem 15. Jahrh. Vor dem Stadttor liegt ein Vorwerk, das Barbakan. Es wurde als zusätzliche Befestigung gegen die Türken in den Jahren 1498 bis 1499 errichtet.  
   
  Weiter ging es an der noch erhaltenen Stadtmauer entlang zur Jagiellonen-Universität. Eine der ältesten Universitäten der Welt, gegründet 1364 von König Kasimir. Hier hat Kopernikus gewirkt und von ihm sind dort auch noch Geräte ausgestellt. An der Stadtmauer stellen Künstler ihre Bilder aus die auch käuflich erworben werden können.  
   
  Mittwoch, 30.06.2004: Zunächst befuhren wir das Salzbergwerk "Wieliczka", das seit 700 Jahren ununterbrochen in Betrieb ist. Es ist in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragen und erstreckt sich über 9 Sohlen bis zu einer Teufe von 327 m. Das Grubengebäude besteht aus 200 km Strecken und 2.040 Kammern mit einem Gesamtvolumen von 7,5 Millionen Kubikmetern. Im Laufe der Jahrhunderte wurden 26 Tagesschächte und 180 Blindschächte geteuft. Die Lagerstätte ist im Miozän entstanden. Die Grubenfahrt war sehr beeindruckend und informativ.  
   
  Salzbergwerk "Wieliczka"
 
  Salzbergwerk "Wieliczka", seit 700 Jahren ununterbrochen in Betrieb und in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes eingetragen
  Foto 5: Karlheinz Droste
   
  Die weitere Busfahrt ging durch das Oberschlesische Kohlenrevier mit Bergbaustädten wie Kattowitz und Gleiwitz. Wir fuhren an einigen lebenden und stillgelegten Schachtanlagen vorbei. Anschließend ging es in die Heimat unseres Kameraden Berthold Jennert in der Nähe von Oppeln. In diesem Gebiet wohnt noch eine ca. 300.000 Menschen starke deutschsprachige Minderheit. Bertholds Verwandte empfingen uns mit überwältigender Gastfreundschaft. Nach einigen schönen Stunden fuhren wir weiter nach St. Annaberg, wo wir mit unseren oberschlesischen Gastgebern einen zünftigen Heimatabend verbrachten.  
   
  Donnerstag, 01.07.2004: Zunächst besichtigten wir unter fachkundiger Führung eines Franziskanermönches den Annaberg und die dortige Wallfahrtskirche. An Waldenburg vorbei fuhren wir dann nach Hirschberg am Rande des Riesengebirges. In der Innenstadt sind viele Renaissance- und Barockbauten erhalten geblieben. Die alten Bürgerhäuser mit den malerischen Arkadengängen sind in freundlichen Farben renoviert worden.  
   
  Wallfahrtskirche
 
  In der Wallfahrtskirche in Annaberg
  Foto 6: Karlheinz Droste
   
  Am folgenden Freitag besichtigten wir noch die sehenswerte Stadt Görlitz und setzen danach unsere Heimfahrt fort.  
   
  Alle waren sich am Ende der Fahrt einig, dass Organisation und Durchführung der Fahrt hervorragend waren und eine Fortsetzung unserer Reiseaktivitäten in zwei Jahren erfolgen soll.  
   
  Die Verfasser dieses Berichts sind unser Vorsitzende Dr. Volker Schacke und unser Schatzmeister Harald Schröder.  
   
  Ende  
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