RDB e.V.
Ring Deutscher Bergingenieure
Der Verband von Ingenieuren, Technikern und Führungskräften.
Bezirksverein: RDB e.V. BV - Dortmund Nord

Heute ist Donnerstag , der 14.11.2019

November2019
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Schildausbau

Bericht über:

  Exkursion 2014 ins Emsland  
   
  am 12. Juni 2014 in das Emsland  
   
  Unsere diesjährige Exkursion führte uns vom 12. bis 15. Juni 2014 in das Emsland mit dem zentral gelegenen Standquartier in Haren. Insgesamt nahmen 25 RDB-Kameradinnen und –Kameraden an der Reise teil, darunter traditionell auch wieder Freunde von unserem Nachbar-BV Brambauer. Organisiert wurde diese Reise von unserem Kameraden Karlheinz Droste, bei dem wir uns auch auf diesem Weg herzlich bedanken.  
   
  Am Anreisetag war unser erstes Ziel das Emsland Moormuseum in Groß Hesepe. Hier wird die Entstehung und die Kultivierung der vor 10.000 Jahren entstandenen Moore anschaulich dargestellt. Diese wuchsen in einem Jahr ca. 1 mm. In den unteren Schichten liegt der Schwarztorf, dessen Brennwert in etwa dem der Braunkohle entspricht. In den oberen Schichten wird der Weißtorf abgebaut, der früher als Einstreu in den Viehställen und zur Bodenverbesserung eingesetzt wurde.  
   
  Im 19. Jahrhundert begannen die ersten Siedler das Moor zu kultivieren. Die Kolonisten waren sehr arm, und erst in der dritten Generation wurde das Überleben im Moor leichter. Um überhaupt etwas anbauen zu können, musste das Moor entwässert und anschließend abgebrannt werden. In der Asche wurde Buchweizen und Hafer angebaut. In einem Bericht der "Illustrierten Zeitung" vom 11. Mai 1878 wurde über das Moorbrennen und die Folgen geschrieben: "Im Mai 1857 führten andauernde Nord- und Nordwestwinde den Moorrauch vom Oldenburgischen und von Ostfriesland einerseits über Westfalen und Hessen bis Frankfurt a. M. andererseits über Sachsen, Bayern und Österreich bis Krakau." Damals erkannte man, dass das Moorbrennen nicht sinnvoll ist. Man begann größere Kanäle anzulegen, um das Moor zu entwässern und um den Torf als Brennmaterial abzubauen. Mit Schiffen konnte man jetzt den Torf zu den Verbrauchern transportieren. Die Torfkähne wurden von Frauen oder Pferden gezogen. Die Pferde mussten Holzschuhe tragen, damit sie nicht im Moor versanken.  
   
  Ende des 19. Jahrhunderts begann die Mechanisierung des Torfabbaus, die 1958 abgeschlossen war. 1950 wurde der Emslandplan beschlossen, der den vielen Neubürgern aus den deutschen Ostgebieten Siedlerstellen schaffen sollte. Jetzt wurde in den Gebieten, in denen der Torf weitgehend abgebaut war, der Pflug "Mammut" mit 30 t Gewicht der Firma Ottomeyer (Bild 1) eingesetzt. Der Pflug wurde von 450 PS starken Lokomobilen (Bild 2) an 800 m langen Seilen durch das Moor gezogen und pflügte die Torf- und Sandschicht mit einer Schartiefe von 2 m, um so die beste Schichtung zu erreichen. Täglich wurden zwei bis drei ha gepflügt. 500 manuelle Arbeitstage entsprachen 5 Std. Maschinenarbeit. 1970 war der Emslandplan abgeschlossen. Die im Museum zu besichtigenden Lokomobile und der Pflug blieben zurück und sind in Halle 2 ausgestellt. Heute versucht man wieder Teile des Moores neu entstehen zu lassen, damit sich vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen ansiedeln können.  
   
  Bild 1: Pflug "Mammut"
 
  Pflug "Mammut".
  Foto 1: Karlheinz Droste
   
  Bild 2: Lokomobile
 
  Lokomobile.
  Foto 2: Harald Schröder
   
   
  Nach der Besichtigung des Moormuseums fuhren wir nach Ditzum am Dollart, um dort in einem Fischrestaurant Mittag zu essen. Anschließend stand eine Stadtführung in Leer auf dem Programm. Die erste Blütezeit erlebte die Stadt Leer, welche heute 33.000 Einwohner hat. Durch den Zuzug von Glaubensflüchtlingen (Mennoniten) aus den Niederlanden wurden die Leinenweberei und das Handwerk aufgewertet. Flachs wurde als Rohstoff in der Umgebung angebaut. Das Leinen aus Leer wurde in weite Teile Europas exportiert. Zeugen dieser Blütezeit sind zahlreiche schöne Häuser wie das Haus "Samson" aus dem Jahr 1643. Hier befindet sich heute eine Weinhandlung, die weit über Leer hinaus bekannt ist. 1823 erhielt Leer die Stadtrechte. 1894 wurde das schöne Rathaus erbaut. Hier sind der Eingangsbereich mit den Fußboden-Mosaiken und der Ratssaal mit einer schönen Kassettendecke zu besichtigen. 1903 wurde die Leda, die bei Leer in die Ems mündet, durch eine Schleuse von der Ems abgetrennt. Durch den Deichbau und die Schleuse war Leer jetzt gegen Überflutungen geschützt. Außerdem hatte man einen tidefreien Hafen. Heute ist Leer einer der größten Reedereistandorte.  
   
  Am 13. Juni fuhren wir zu einer Besichtigung der Meyer Werft nach Papenburg (Bild 3). Gegründet wurde die Werft 1795 von Willm Rolf Meyer. Sie ist heute in der 6. Generation in Familienbesitz. 1913 wurde hier die "Graf Goertzen" gebaut. Alle Teile waren verschraubt um das Schiff nach der Demontage in 5.000 Kisten verladen zu können. Das Schiff sollte auf dem Tanganyikasee, damals Deutsch Ostafrika, fahren. Dazu war der Transport, außer mit der Bahn, auch mit eingeborenen Trägern erforderlich. Die „Graf Goertzen“ ist noch heute in Afrika im Dienst. Ein weiterhin auf der Werft gebautes bekanntes Schiff ist das Feuerschiff „Elbe 1“, welches heute als Museumsschiff in Cuxhaven besichtigt werden kann. Seit 1985 baut die Werft Gastanker, Fähren und Kreuzfahrtschiffe. Dafür musste die Werft aus der Papenburger Stadtmitte an den Außenhafen verlagert werden. Heute besitzt die Werft die größte Baudockhalle der Welt: 504 m lang, 125 m breit und 75 m hoch. Wir konnten die im Bau befindliche "Quantum of the Seas" in der Halle bestaunen. Einige Daten des Schiffes: 348 m lang, 41 m breit, 18 Decks, 5 Dieselmotoren mit zusammen 100.000 PS, 4.180 Passagiere, Bugstrahlruder und 2 Pod-Antriebe um 360° schwenkbar. Zum Streichen des Schiffes werden 400 t Farbe benötigt. Das Schiff soll im September 2014 fertiggestellt werden. Ausgelastet ist die Werft bis 2017.  
   
  Eine wichtige Voraussetzung für den Bau von Schiffen der dargestellten Größenordnung war die Fertigstellung des Emssperrwerks im Jahr 2002. Es soll einerseits das Hinterland bei Sturmfluten vor Überschwemmungen schützen. Anderseits kann nun die Ems auch aufgestaut werden, um für die Schiffe der Meyer Werft (8,5 m Tiefgang) die erforderliche Wassertiefe zu erreichen. Außerdem wurde die Ems zusätzlich vertieft. Diese Arbeiten sind ein Eingriff in das Ökosystem der nicht ohne Folgen geblieben ist. Umweltschutzverbände möchten daher das Aufstauen der Ems in den Sommermonaten, die Brutzeit von Bodenbrütern, verhindern.  
   
  Bild 3: In der Meyer-Werft
 
  In der Meyer-Werft.
  Foto 3: Karlheinz Droste
   
   
  Nachmittags machten wir eine Stadtführung in Haren. Weite Wege wurden uns durch Fahrt mit der Bahn "Emma" erspart. Der erste Halt war die Pfarrkirche St. Martinus, auch Emsland Dom genannt. Er wurde 1908 bis 1911 erbaut. Die Hälfte der Baukosten, damals 100.000 Mark, spendete der Textilunternehmer Esders. Das dreischiffige Langhaus hat ein Kuppelgewölbe von 27 m Höhe. Die Kirche hat 800 Sitzplätze. Das Pfarrhaus erhielt 1910 als erstes Haus in Haren elektrisches Licht, Zentralheizung und fließendes kaltes und warmes Wasser. In Haren gibt es noch eine Schiffswerft, auf der Schiffe bis 3.000 t gebaut und überholt werden können. Ein Mühlenmuseum (Kappenwindmühle) und ein Museumshafen sind auch zu besichtigen. Außerdem beginnt hier der Haren-Rütenbrock-Kanal, der in Ter Apel Kanal in den Niederlanden endet. Der Kanal wurde zur Moorentwässerung und für den Gütertransport für Schiffe mit bis zu 200 t Tragfähigkeit gebaut. Heute fahren dort nur noch Sportboote.  
   
  1945 wurden alle Bürger Harens von der britischen Besatzungsmacht vertrieben. Sie mussten innerhalb von 24 Stunden ihre Häuser verlassen. Der Ort wurde in Maczkow umbenannt. Hier sollte für 18.000 polnische Soldaten, die mit den Engländern gekämpft hatten, und 30.000 Zwangsarbeiter aus dem Emsland ein politisches und kulturelles Zentrum entstehen. Die deutschen Einwohner mussten sich in Nachbargemeinden eine neue Bleibe suchen. 1948 verließen die letzten Polen den Ort und wanderten in die USA, nach Polen und in die Commonwealth-Staaten aus.  
   
  Die Stadtrundfahrt endete am Anleger der "Amisia", mit der wir bei schönem Wetter eine Ems-Rundfahrt machten.  
   
  Der Samstagmorgen gehörte dem Erdöl-Erdgas-Museum Twist. Schon auf der Fahrt dorthin zeigten viele Pferdekopfpumpen an, dass wir uns auf einem aktiven Erdölfeld befanden.  
   
  Beim nahegelegenen Bentheim wurde 1938 mit einer Aufschlussbohrung Erdgas angetroffen. 1942 wurde bei Dalum Erdöl in wirtschaftlich gewinnbarer Menge gefunden.  
   
  Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine bis heute bedeutende Förderregion für Erdöl und Erdgas in den Landkreisen Emsland und Bad Bentheim auf deutscher Seite und in der angrenzenden niederländischen Provinz Drenthe. Das sehr informative Museum (Bild 4) zeigt die Entstehung von Erdöl und Erdgas, das Aufsuchen und Erschließen der Lagerstätten und die Förderung, Fortleitung und Speicherung von Erdöl und Erdgas.  
   
  Bild 4: Erdöl-Erdgas-Museum
 
  Erdöl-Erdgas-Museum.
  Foto 4: Karlheinz Droste
   
   
  Auch Fragen zu Sonderthemen wie Fracking wurden uns im Rahmen einer äußerst kompetenten Führung umfassend beantwortet.  
   
  Am Nachmittag starteten wir eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte in der niederländischen Festung Bourtange.  
   
  1580 hatte Prinz Willem van Oranje den Auftrag erteilt, auf einem Sandrücken im Moorgebiet nahe der deutschen Grenze eine Schanze mit fünf Bastionen anzulegen, um den Versorgungsweg von Lingen nach Groningen, das seinerzeit von Spaniern besetzt war, zu unterbrechen und damit die Spanier in Groningen zu isolieren. 1593 war die Festung fertiggestellt.  
   
  Bourtange wurde in den folgenden Jahrhunderten immer weiter befestigt. Mitte des 19.Jahrhunderts war die Festung durch die Modernisierung der Kriegsführung militärisch überflüssig geworden und wurde aufgelöst. Bourtange entwickelte sich zu einem blühenden Dorf.  
   
  In den letzten Jahrzehnten wurde die Festung restauriert, so dass sie heute fast wieder das Aussehen wie im Jahr 1742 hat, dem Jahr der größten Ausdehnung. Viele Details, wie die alte Bockwindmühle (Bild 5), wurden rekonstruiert.  
   
  Bild 5: Bockwindmühle
 
  Bockwindmühle in der Festung Bourtange.
  Foto 5: Karlheinz Droste
   
   
  Auf der Rückfahrt in unser Hotel machten wir noch einen Abstecher zur "1000-jährigen Linde" in Heede, der größten Linde Europas (zusammen gewachsen aus 12 einzelnen Lindenstämmen) mit einem Stammumfang von 17 m, einer Höhe von 26 m und einem Kronendurchmesser von 35 m.  
   
  Am Sonntag klang unsere gelungene Exkursion mit der Besichtigung der Burg Bentheim aus. Sie ist die größte Höhenburg Nordwestdeutschlands und wurde erstmals 1050 erwähnt. Einige Höhepunkte unserer Burgführung sind hervorzuheben.  
   
  Der "Herrgott von Bentheim" – ein romanisches Steinkreuz, um das Jahr 1000 entstanden – zählt zu den ältesten Christusdarstellungen in Europa.  
   
  In der Katharinenkirche zeugt die Schlichtheit des gotischen Kirchenraumes von der Einführung des reformierten Glaubens Ende des 16. Jahrhunderts.  
   
  Der Pulverturm gehört zum ältesten Baubestand der Burg und war als 30 m hoher Bergfried deren strategisches Zentrum.  
   
  Die Kronenburg mit Rittersaal, Wohnräumen usw. entstand in der heutigen Form in den Jahren 1883 bis 1914.  
   
  Auf der Rückfahrt nach Dortmund waren sich alle Teilnehmer einig, dass unser Kamerad Karlheinz Droste wieder eine hervorragende Exkursion auf die Beine gestellt hatte.  
   
  Wir freuen uns auf das Nachtreffen im Herbst und sehen uns spätestens auf unserer Barbarafeier am 22.11.2014 wieder.  
   
   
  Die Verfasser dieses Berichts sind unser Vorsitzende Dr. Volker Schacke und unser Schatzmeister Harald Schröder.  
   
  Ende  
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